Der Kölner Stadtanzeiger berichtet: Studenten entwickeln Online-Datenbank für Hausarbeiten

Im Folgenden dokumentieren wir einen Bericht des Kölner Stadtanzeigers (KStA) über unser Projekt. Der Beitrag kann im Original hier abgerufen werden.

Sandra Vacca präsentiert die Startseite der Datenbank „Studierendenwissen.de“ in der Bibliothek der Historiker. Foto: Rakoczy

  • Das Wissen, das Studenten für Hausarbieten zusammenstellen, soll nicht verlorengehen.
  • Der Verein La Talpa hat deshalb eine Datenbank für Hausarbeiten entwickelt.
  • Die Wissensbörse wächst und ist nun mit dem 10.000 Euro dotierten Preis der Google Impact Challenge ausgezeichnet worden.

Köln – Ex und hopp. Für ihre Hausarbeiten verbringen die meisten Studenten mehrere Wochen in Bibliotheken, stöbern in Archiven, lesen Dutzende Bücher, seltene Schriften und andere Quellen. Stellen Thesen auf, verwerfen sie, um neue Thesen aufzustellen. Feilen an Formulierungen, tippen sie ins Laptop und drucken sie aus – bis schließlich die Seminararbeit fertig ist. Und dann?

Dann wird das Werk von einem Dozenten gelesen, bewertet und verschwindet anschließend in der Schublade. Für immer.

Das soll sich bald schon ändern. Zumindest wenn es nach dem Willen des Vereins La Talpa geht, sollen die Hausarbeiten künftig in einer Datenbank auch für andere Studenten zur Verfügung stehen.

„Wir wollen nicht, dass so viel Expertenwissen verloren geht“, sagt Sandra Vacca, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Köln beschäftigt ist und derzeit ihre Doktorarbeit im Fach Geschichte schreibt. „Mancher Student hat für seine Pädagogik-Arbeit den ganzen Adorno gelesen – und dann ist das ganze Wissen wieder weg.“

Zwar könnten die Studenten ihre Arbeiten auch kommerziellen Firmen anbieten. Die Verkaufszahlen seien aber gering. Tendenziell würden die Werke kaum gelesen.

Wer mitmachen kann

Noch ist die Datenbank allerdings überschaubar. Etwa drei Dutzend Texte können derzeit abgerufen werden. Die Bandbreite reicht von der „Nationalstolzdebatte in Deutschland“ bis hin zu „Körpersprachliche Kommunikation im Instrumentalunterricht“. Schwerpunkte sind bislang die Geisteswissenschaften, die Wissensbörse solle aber für jede Fachrichtung offen stehen, sagt Vacca.

Beteiligen können sich nicht nur Studenten aus der Uni Köln, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet – auch in englischer Sprache. Mitmachen ist ganz einfach: Studenten, die ihre Seminararbeit veröffentlichen wollen, melden sich beim Portal an und laden das entsprechende Dokument hoch. Nutzer, die nur in der Datenbank stöbern wollen, müssen sich nicht einmal anmelden.

Der Verein La Talpa (italienisch: Maulwurf), der 2012 von Kölner, Bonner und Aachener Studenten gegründet wurde, hat sich eine kritische Reflexion wissenschaftlicher Themen zum Ziel gesetzt. Seitdem haben die angehenden Akademiker einige Projekte angestoßen: So richteten sie 2015 einen Kongress zum Thema „Politischer Heavy Metal“ aus, aus dem anschließend ein Sammelband entstand. Zusammen mit der DGB Jugend und dem Dokumentationszentrum und Museum über Migration in Deutschland (Domid) haben sie 2014 das Projekt „Digitale Geschichtspfade“ initiiert. Dazu sammelten Schüler des Hölderlin-Gymnasiums Fotos und Texte für eine Smartphone-App, die über den Kölner Stadtteil Mülheim informiert. Mit Hilfe des Handys können die Nutzer nun einen Stadtteilspaziergang im Viertel zum Thema „Rassismus“ machen.

Auszeichnung von Google

Für ihre Datenbank wurde La Talpa mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis des Wettbewerbs Google Impact Challenge ausgezeichnet. Das Geld will der Verein für einen Programmierer ausgeben, der die Online-Seite professionell überarbeiten soll. Unter anderem soll es dann möglich sein, die Arbeiten der Studenten zu bewerten. „Den meisten Studenten geht es mit ihrer Arbeit darum, sich mit anderen über ihr Thema auszutauschen“, sagt Vacca.

Damit künftig noch mehr Inhalte auf der Internet-Seite zu finden sind, will der Verein La Talpa bundesweit Kontakt mit Allgemeinen Studierenden Ausschüssen und Fachschaften aufnehmen. Außerdem soll das Portal erweitert werden: Studentische Fachkonferenzen, Essaywettbewerbe sowie die Herausgabe von Sammelbänden könnte sich Sandra Vacca vorstellen.