Arbeitshilfen zum wissenschaftlichen Arbeiten

Wenn man neu an eine Universität kommt hat man, von der Facharbeit abgesehen, wenig Erfahrung mit wissenschaftlichen Arbeiten. Das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit stellt viele Studierende deshalb vor große Herausforderungen. Um euch den Weg zur Hausarbeit etwas zu erleichtern haben wir hier einige Hinweise zum Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit zusammengetragen.

Was ist eine wissenschaftliche Hausarbeit?

Seminar- oder Hausarbeiten sind in allen Studiengängen ein wichtiger Teil des Studiums. Als schriftliche Ergänzung eines Referats oder eigenständige Arbeit haben Seminararbeiten meist eine Länge von 15 bis 25 Seiten. Wissenschaftliche Texte bestehen grundsätzlich aus zwei Arten von Aussagen: empirischen und theoretischen. Empirisch werden jene Aussagen genannt, die sich auf beobachtbare Tatsachen beziehen. Sie ergeben sich entweder aus eigene Untersuchungen (z.B. ein Interview oder eine Befragung), oder beziehen sich auf fremde Studien, die dann als Quelle angegeben werden müssen. Die empirischen Aussagen über beobachtbare Phänomene werden durch theoretische Erklärungen und Interpretationen ergänzt. Diese gehen oft von bestimmten theoretischen Vorannahmen aus, die transparent gemacht werden sollten. Alle Aussagen in einer wissenschaftlichen Arbeit sind entweder Vorannahmen, selbstverständlich (evident), empirisch, oder sie ergeben sich logisch aus anderen theoretischen oder empirischen Aussagen.

Wie gehe ich vor? – 6 Schritte zur Hausarbeit

  1. Das Erkenntnisinteresse: An vielen Universitäten werden Hausarbeitsthemen von den Lehrenden vorgegeben. Ist dies glücklicherweise nicht der Fall, könnt ihr eurem eigenen Erkenntnisinteresse folgen. Fragt euch also, welche Themen aus dem Seminar euch besonders interessiert haben und wo ihr vielleicht offene Fragen hattet, die ihr im Rahmen einer Hausarbeit beantworten könnt. Teilt eurem Betreuer frühzeitig mit, in welche grobe Richtung die Arbeit gehen soll.
  2. Erste Beschäftigung mit der Literatur: Geht am besten in die Bibliothek und lest euch ein paar Einführungen zu eurem Thema durch. Es macht Sinn, euch auf jene Kapitel zu konzentrieren, die sich mit Themen beschäftigen, die euch am meisten interessieren. Dies sollte euch helfen, die Themenstellung zu konkretisieren und eine Fragestellung zu formulieren.
  3. Festlegung des Themas und Formulierung der Fragestellung: Am besten besucht ihr die Sprechstunde eurer Betreuer_in, um das genaue Thema der Arbeit und eure Fragestellung mit ihr zu diskutieren. Lasst euch beraten, ob euer Thema im Rahmen einer Hausarbeit angemessen bearbeitet werden kann. Erfragt am besten sofort, welche formellen Kriterien ihr erfüllen müsst, welche Kriterien der Bewertung der Arbeit zugrunde gelegt werden (gibt es z.B. einen Rückmeldebogen?) und ob eure Betreuer_in euch erste Literaturhinweise geben kann. Günstigerweise erstellt ihr jetzt auch eine erste Gliederung eurer Arbeit.
  4.  Die Literatur- und Materialrecherche: Zusätzlich zu Literaturhinweisen von eurer Betreuer_in könnt ihr zu Beginn der Literaturrecherche oft auf eine Literaturliste aus dem Seminar zurückgreifen. Auch im Internet finden sich zahlreiche Literaturlisten zu Seminaren. Zunächst macht es Sinn, euch mit unterschiedlichen (!) Einführungen zum Thema zu beschäftigen. Diese haben den Vorteil, dass sie oft eine umfangreiche, vielleicht sogar kommentierte Literaturliste bereitstellen, die ihr als Grundlage für die weitere Literaturrecherche benutzen könnt. Weitere Tipps zur (online) Recherche und dem Exzerpieren von Literatur sowie dem Umgang mit Datenbanken und unterschiedlichen Quellen findet ihr in den Leitfäden zum wissenschaftlichen Arbeiten.
    TIPP: Achtet auf Universitätsdissertationen zu eurem Thema. Diese weisen meist eine sehr umfangreiche Literaturliste auf!
  5. Strukturierung des Materials, Festlegung der endgültigen Gliederung und Abfassung der Arbeit: Setzt euch nach der Festlegung der Gliederung nochmal mit eurer Betreuer_in in Verbindung und klärt ggf. angefallene Fragen zum Aufbau der Arbeit, methodischen Problemen etc. Eine Gliederung folgt üblicherweise dem Muster: Einführung – Hauptteil – Fazit, wobei das Fazit die in der Einleitung formulierte Fragestellung beantworten sollte. Detaillierte Hinweise zum richtigen Zitieren, dem Aufbau einer Hausarbeit und inhaltlichen Kriterien könnt ihr den Leitfäden zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten entnehmen.
  6. Korrektur und Fertigstellung der Endfassung: Lasst eure Arbeit unbedingt von Kommiliton_innen (am besten von mehr als einer Person) Korrektur lesen. Prüft nochmals, ob alle formellen Kriterien (Zeilenabstand, Schriftgröße, Zitierweise usw.) eingehalten wurden und alle Angaben auf dem Deckblatt korrekt sind.

Was macht eine gute Hausarbeit aus und wie wird sie bewertet?

Die Bewertung studentischer Texte folgt an vielen Universitäten keinen einheitlichen Standards. Üblicherweise werden inhaltliche und sprachliche, manchmal zusätzlich auch formale Bewertungskriterien unterschieden. Die Gewichtung der einzelnen Faktoren wird allerdings selten transparent gemacht. Einige Universitäten versuchen inzwischen einen einheitlichen Kriterienkatalog zu entwickeln. Typische Beispiele für solche Kriterienkataloge sind der Rückmeldebogen für eine schriftliche Arbeit – Deutsch als Fremdsprache der technischen Universität Berlin und der Rückmeldebogen zur schriftlichen Hausarbeit der Universität Kassel. Hier zeigen sich allerdings exemplarisch auch die ersten Schwierigkeiten für Studierende. Aus dem Rückmeldebogen der Uni Kassel beispielsweise ist die Gewichtung der einzelnen Faktoren nicht ersichtlich. Diese werden zudem nur als Plus oder Minus gekennzeichnet. Der Rückmeldebogen der Uni Berlin versucht die Gewichtung der Faktoren transparent zu gestalten und vergibt Punkte für die Erfüllung jedes Kriteriums. Die Kategorien selbst sind allerdings nicht selbsterklärend und es bleibt ein hohes Maß an Interpretationsspielraum, was beispielsweise mit „Breite“ und „Tiefe“ gemeint sein könnte. Zahlreiche Kriterien, wie die Vergabe von Punkten für das Eintragen der eigenen Adresse oder die Nicht-Aufnahme „wissenschaftlicher Angemessenheit“ in den sprachlichen Teil des Rückmeldebogens sind zudem unter Lehrenden sehr umstritten. Eine detailliertere Aufstellung mit positiven und negativen Beispielen für jedes Bewertungskriterium findet sich im Rückmeldebogen für eine wissenschaftliche Arbeit, der von Studierenden der Universität zu Köln entwickelt wurde. Auch hier sind die Kriterien jedoch nicht auf andere Universitäten übertragbar, fragt also in jedem Fall eure Betreuer_in, welche Kriterien sie für die Bewertung der Arbeit zugrunde legt.

Trotz der Uneinigkeit in der Frage, ob und wie die Bewertung einer Hausarbeit in „objektive“ Kriterien gefasst werden kann, lassen sich dennoch einige Merkmale einer guten wissenschaftlichen Arbeit aufzählen: Der wissenschaftliche Wert einer Arbeit bemisst sich demnach vor allem an ihrer logischen Kohärenz (alle Aussagen sind nachvollziehbar begründet bzw. empirisch belegt) und ihrer Originalität (der Abweichung von bisherigen Annahmen), sowie ihrem (praktischen und/oder theoretischen) Nutzen für andere. Besonders wertvoll sind demnach Arbeiten, die zu neuen ungewöhnlichen Ergebnissen kommen und diese wissenschaftlich fundiert herleiten, sowie eine hohe Relevanz für andere wissenschaftliche Arbeiten oder praktische Anwendungsgebiete haben.

Literatur zum Weiterlesen

  • Eco, Umberto (2005): Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. 12. Aufl., Stuttgart: UTB Verlag, 270 S., 15,90 €
    Der Klassiker unter den Einführungen ins wissenschaftliche Arbeiten. Umberto Ecos Werk ist besonders zu empfehlen, weil es grundlegende Fragen wissenschaftlichen Schreibens diskutiert. Das Buch ist allerdings vor allem als Grundlagenliteratur zu empfehlen. Der Autor vertritt einen hohen wissenschaftlichen Anspruch, der selbst von Professor_innen nicht immer erfüllt wird. Man merkt dem Werk zudem an, dass es zum zwölften Mal in unveränderter Form aufgelegt wurde: Manche Hinweise beziehen sich noch auf die Arbeit mit der Schreibmaschine und der Computer spielt als wichtiges Mittel zur Recherche und Textformatierung keine Rolle. Fazit: Als Klassiker und Standardwerk zur Frage „was ist wissenschaftliches Arbeiten?“ zu empfehlen, aber nur bedingt als praktischer Ratgeber geeignet.
  • Esselborn-Krumbiegel, Helga (2008): Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben, 3. Aufl., Stuttgart: UTB Verlag, 221 S., 12,90 €
  • Karmasin, Matthias; Ribing, Rainer (2012): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten, 7. Aufl., Stuttgart: UTB Verlag, 166 S., 11,90 €
  • Kornmeier, Martin (2012): Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht – für Bachelor, Master und Dissertation, 5. Aufl., Stuttgart: UTB Verlag, 336 S., 11,99 €
    Die Einführungen des UTB Verlags vermitteln einen guten Einstieg in das wissenschaftliche Arbeiten. Die Einführungen konzentrieren sich meist auf Abschlussarbeiten wie Bachelor und Master, sind aber auch in Bezug auf Seminararbeiten eine große Hilfe. Für Dissertationen sind sie nur bedingt zu empfehlen.
  • Weber, Daniela (2010): Die erfolgreiche Abschlussarbeit für Dummies, Weinheim: Wiley-VCH Verlag, 254 S., 14,95 €
    Die Einführung aus der Reihe „für Dummies“ ist verständlich formuliert und bietet eine sehr gute praktische Anleitung und nützliche Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten. Dem Thema „nützliche Programme“ und Online-Recherche sind eigene Kapitel gewidmet. Besonders praktisch: Dem Buch liegt eine DVD mit Word-Vorlagen, einem Literaturverwaltungsprogramm und anderen nützlichen Tools bei. Fazit: sehr zu empfehlen.

Nützliche Programme und Arbeitshilfen

Dokumente und Vorlagen:

Beispiele für Leitfäden zum wissenschaftlichen Arbeiten

Nützliche Programme:

  • Citavi ist ein Literaturverwaltungsprogramm, das in der „light-Version“ für Studierende kostenlos erhältlich ist. Trotz der Limitierung auf 100 Einträge im Literaturverzeichnis für Seminararbeiten gut geeignet. Viele Unis vergeben kostenlose Lizenzen der Vollversion an ihre Studierenden: Nachfragen lohnt sich!
  • Prezi ist ein Visualisierungswerkzeug, das für Studierende kostenlos ist. Für alle, die ihre Präsentationen und Referate einmal nicht mit PowerPoint oder OpenOffice erstellen möchten, stellt das Programm eine ungewöhnliche Alternative dar.

Templates für Präsentationen: